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Hinweise zur buchbinderischen Verarbeitung
Broschuren-Arten

Einzelblatt-Broschüren
Spiral-Broschur (Spiral-Bindung), Kamm-Broschur (Kamm-Bindung), Ring-Broschur (Ring-Bindung), Kordel-Broschur (Schuren-Bindung).

Einlagen-Broschüren
Drahtrückenstich-Broschur (Drahtrückenstich-Heftung mit einem oder mehreren ineinandergesteckten Falzbogen), Fadenrückenstich-Broschur (verschiedene Fadenrückenstich-Heftungen: Knotenfaden-Heftung mit einem oder mehreren ineinandergesteckten Falzbogen, Stepp-Heftung mit einem oder mehreren ineinandergesteckten Falzbogen).

Mehrlagige Broschuren mit Vorsatz
Kartonierte Broschur (Herstellungs-Verfahren Faden-Heftung, Faden-Siegeln oder Klebe-Bindung; Merkmale: zwei vollflächig aufkaschierte Halbumschläge), Steif-Broschur (alle drei Herstellungs-Verfahren wie bei der Steif-Broschur möglich; Merkmale: Pappe vollflächig aufkaschiert und 8 mm bis 10 mm vom Bund abgesetzt, mit Gewebe gefälzelt).

Mehrlagige Broschuren ohne Vorsatz
Broschur mit gerilltem Umschlag (Herstellungs-Verfahren seitliche Draht-Heftung, Faden-Heftung, Faden-Siegeln oder Klebe-Bindung; Merkmale: Kartonumschlag 2- oder 4fach gerillt (bei 4facher Rillung breit überklebt, eingehängt), Fälzel-Broschur (alle vier Herstellungs-Verfahren wie bei der Broschur mit gerilltem Umschlag möglich; Merkmale: meist mit 2 Halbumschlägen versehen, gefälzelt), Englische Broschur (Herstellungsverfahren Faden-Heftung, Faden-Siegeln oder Klebe-Bindung; Merkmale: 2- oder 4fach gerillter, unbedruckter Umschlag, zusätzlich Papierumschlag bedruckt am Broschurenrücken angeklebt, mit breiten Klappen zum Einschlagen).
(Nach Bundesverband Druck e. V., Abteilung Bildungspolitik (Herausgeber): "Druckweiterverarbeitung - Ausbildungsleitfaden für Buchbinder", 2. Auflage, Wiesbaden 1990, S. 355 ff.)

Bucheinband-Arten

Papier-Band (Papp-Band) Karton-Deckel und Karton-Rücken mit Papier überzogen, mit vorstehenden Kanten.

Leinen-Band
Kartondeckel und Rücken mit Leinen überzogen, mit Kanten.

Halbleinen-Band
Kartondeckel mit Papier überzogen, Rücken aus Gewebe, mit Kanten.

Halbleder-Band
Kartondeckel mit Papier oder Gewebe-Band überzogen, Rücken aus Leder, mit Kanten.

Leder-Band
Kartondeckel und Rücken mit Leder überzogen, mit Kanten. Einband mit falschen oder echten Bünden.

Halbpergament-Band
Kartondeckel mit Papier, Gewebe oder Leder bezogen, Rücken und Ecken aus Pergament, mit Kanten.

Pergament-Band
Deckel aus Karton oder Aluminium (bei starken Temperatur-Schwankungen), Deckel und Rücken mit Pergament überzogen, mit Kanten.
(Max Baltis: "Gut zum Druck", 3. Auflage, Zürich 1996, S. 140 ff.)

Draht-Heftung
Die Draht-Heftung im Falz (Rückenstich-Broschur) ist gut geeignet für Produkte mit Umfängen von 8 bis zu ca. 100 Seiten. (Zu dicke Umfänge bewirken bei dieser Technik der Druckweiterverarbeitung zu große Randdifferenzen bei den inneren und äußeren Seiten.) Drahtgeheftete Produkte lassen sich gut öffnen.
"Eine zweite Möglichkeit ist die Querheftung, auch seitliche Heftung genannt. Geeignet für Broschüren und Kataloge oder ähnliche Drucksachen. Die Draht-Heftung ist sehr solid. Es muss berücksichtigt werden, daß der Rücken 5 mm beansprucht. Deshalb lassen sich die Seiten nicht mehr flach öffnen." (Max Baltis: "Gut zum Druck", 3. Auflage, Zürich 1996, S. 133 ff.)

Faden-Heftung
Um die Risiken verschiedener Papierqualitäten und Papiergewichte in der Druckweiterverarbeitung auszuschalten, setzt man – insbesondere bei Druckprodukten, die stärker beansprucht werden – die Technik der Fadenheftung ein.
"Dieses Verfahren bietet eine Reihe von Vorteilen gegenüber der reinen Klebebindung:
_ Die Falzlage wird in ihrer Struktur erhalten.
_ Der Buchblock läßt sich besser aufschlagen.
_ Der Faden-Verbund stabilisiert den Buchblock.
Bei der Fadenheftung werden Falzarten mit den unterschiedlichsten Umfängen über Solo-Zusammentragmaschinen komplettiert. Manuelle oder automatische Anlegersysteme führen die Bogenteile einzeln in den Heftmechanismus. Dort werden sie mit einem baumwollummantelten Kunstfaser-Zwirn folgerichtig zusammengenäht."
(Erhardt D. Stiebner: "Bruckmann´s Handbuch der Drucktechnik", 5. Auflage, München 1992, S. 289.)

Faden-Siegeln
"Alternativ zur Fadenheftung hat sich als neue Technologie das Fadensiegeln entwickelt. Dabei wird ähnlich wie bei der Fadenheftung der geschlossene Bund des Falzbogens erhalten. Der Unterschied liegt in den Fadenklammern. Sie werden schon bei der Falzfertigung im Falzbogen fixiert... Die Fadensiegelung erfolgt in der Falzlinie des letzten Bruches. Dabei werden fortlaufend speziell verzwirnte Fadenstücke, die schmelzbare Bestandteile enthalten, durch die Heftlage gestochen... Während der Falzbogenrücken über die beheizte, federnd gelagerte Siegelschiene gleitet, werden die von innen nach außen geführten Fadenenden nach hinten umgelegt und an den Bogenrücken gepreßt. Dabei schmilzt der thermoplastische Fadenanteil und versiegelt die nicht schmelzbare Komponente fest mit dem Papier... Das Ergebnis ist ein Qualitätsprodukt, das der einfachen Klebebindung an Haltbarkeit überlegen ist."
(Erhardt D. Stiebner: "Bruckmann´s Handbuch der Drucktechnik", 5. Auflage, München 1992, S. 290 ff.)

Klebe-Bindung
Diese Technik der Druckweiter-Verarbeitung ermöglicht "eine fließende Fertigung vom Zusammentragen bis zum Verpacken der Produkte und stellt damit die rationellste Variante der Buch- und Broschurenproduktion dar. Allerdings treten trotz sachgemäßer Verarbeitung gelegentlich Probleme auf, z.B., daß sich aus einem neuen Produkt auch bei vorsichtiger Benutzung Blätter aus dem Blockverband lösen."1)
Die zu bindende Papiersorte und (bei Broschuren) die Umschlagkartonsorte, die Art der Rückenbearbeitung und der eingesetzte Klebstoff beeinflussen die Qualität einer Klebebindung. Gegenwärtig werden folgende Klebstoffe alternativ eingesetzt:
_ "Plastdispersions-Klebstoffe (Kaltleime, Weißleime), deren Hauptbestandteile Polyvinylacetat und synthetische Weichmacher sind.
_ Schmelz-Kebstoffe (Hotmelts): 3-Stoff-Systeme, die aus dem Basispolymer (Ethylen-Vinylacetat-Copolymerisate), Kleb-Harzen (z. B. Kolophonium) und Weichmachern (z. B. Paraffinen) bestehen.
_ Polyurethan(PUR)-Klebstoffsysteme: Reaktive Schmelzkleber, die nach dem Klebstoff-Auftrag schnell erstarren. Die Vernetzung der zunächst relativ kurzen, adhäsionsfähigen Präpolymeren zu stabilen Polyadditiven erfolgt mit der Papier- und Umgebungsfeuchte in einer langsamen, mehrstündigen Reaktion."1)
Während Naturpapiere gut klebebindefähig sind, kann die Beschichtung gestrichener Papiere ein thermoplastisches Verhalten bewirken: "Zwischen Blattkante und Leim entsteht eine Isolierschicht, die eine innige Verbindung verhindert... Auch Druckfarben, die vollflächig bis in den Buchrücken laufen, bilden eine solche Sperrschicht."2)

1) Prof. Dr. Nestler: "Klebebindung - die unendliche Geschichte", in: "Offset-Praxis", Fellbach, Nr. 3/1997, S. 60 ff.
2) Erhardt D. Stiebner: "Bruckmann´s Handbuch der Drucktechnik", 5. Auflage, München 1992, S. 287 ff.

 




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