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Haberbeck > Produktionshilfen > Hinweise zur Veredelung von Drucksachen

Hinweise zur Veredelung von Drucksachen
Blindprägung
Für die Blindprägung stellt man – ähnlich wie für den Stahlstichprägedruck – "eine Gravur und eine Matrize her, die unter hohem Druck die Prägung im Papier erzeugen. Am besten kommen mittelstarke Motive zur Geltung, da hier die Schattenwirkung am größten ist. Die verwendeten Papiere sollten möglichst glatt sein. Bei den Blindprägungen unterscheidet man zwischen Hochprägungen (Motiv ist erhaben), Tiefprägungen (Motiv ist vertieft), mehrstufigen Prägungen (im Motiv gibt es unterschiedliche Ebenen) und Reliefprägungen (es entsteht ein räumlicher Effekt mit dreidimensionalen Verläufen)."
(Lothar Schweinbach: "Viel edler als Lackierung", in: "PRINT & PRODUKTION", Wiesbaden, Nr. 4/1998, S. 17 ff.)

Cellophanierung
Siehe unter Folienkaschierung/Laminierung.

Dispersions-Lackierung
Glänzende und matte "Dispersions-Lacke" besitzen einen hohen Festkörperanteil von etwa 40 – 50%. (Filmbildende Komponenten wie Polymer-Dispersionen und kolloide Harzlösungen sind für Glanz, Härte und Scheuerfestigkeit verantwortlich, Wachsdispersionen für Schliff und Scheuerfestigkeit.) Neben dem Festkörpergehalt ist Wasser ein weiterer Hauptbestandteil, was gelegentlich zur Bezeichnung Wasserlack führt. Dispersions-Lacke trocknen rein physikalisch durch Wegschlagen oder Verdunsten. Sie erreichen innerhalb kürzester Zeit eine gute Abriebfestigkeit und bieten somit günstige Voraussetzungen für eine schnelle Weiterverarbeitung. Der Endglanz wird nach dem Druck relativ schnell erreicht. Dispersionslacke vergilben weniger als Öldrucklacke und eignen sich somit für Drucksachen mit "längerer Lebensdauer". Wird ein mit mattem Dispersionslack bedruckter Bogen mechanisch strapaziert, können glänzende Streifen im veredelten Druckbild auftreten.
Abgesehen von diesen "Scheuerspuren" entsteht jedoch "ein hervorragender Matteffekt. Er ist dem einer Öldrucklackierung überlegen".(Ralph Gumbel: "Offset-Praxis beim Umgang mit Drucklacken (II)", in "Deutscher Drucker", Ostfildern, Nr. 23-24/1998, S. w 46 ff.)

Druck-Lackierung
Es gibt verschiedene Methoden, im Offsetdruck einen Druckbogen vollflächig oder nur bestimmte Bildteile zu lackieren. Man unterscheidet zwischen Dispersionslackierung, Öldrucklackierung und UV-Lackierung.

Folien-Kaschierung
Veredelung von Druckbogen durch den Überzug von Glanzfolien oder Mattfolien, die auch einen mechanischen Schutz der Drucksache bieten. "Die Folie wird mittels Klebstoff auf den Druckträger unter Wärmeeinwirkung und Druck aufgebracht. Eine weitere Möglichkeit bieten die Thermokaschierfolien, die bereits mit einer (heißsiegelfähigen) Klebeschicht versehen sind." Neben glatten können auch Folien mit Strukturen (z. B. Ledernarbung, feine oder grobe Leinenstruktur, Granulat) eingesetzt werden. Die überwiegend verwendeten Polypropylen-Folien sind recycelfähig in der Papier-, Karton- und Pappeproduktion, grundwasserneutral bei
Deponierung und schadstofffrei bei thermischer Verwertung. Die verklebbaren (wichtig für z.B. die Faltschachtelproduktion) Acetatfolien sind recycelfähig in der Papier-, Karton- und Pappeproduktion.
(Arbeitsgemeinschaft Druckveredlung (AGV) in Zusammenarbeit mit dem Umweltausschuß (Herausgeber): "Zeitgemäß druckveredeln – ein Leitfaden", Hamburg 1992, S. 9.)

Heißfolien-Prägung
"Bei der Heißfolien-Prägung handelt es sich um ein Hochdruck-Verfahren, bei dem anhand eines Messing-, Kupfer- oder Magnesium-Klischees eine aus mehreren Schichten bestehende Heißprägefolie auf den Bedruckstoff aufgesiegelt wird. Dazu sind Temperaturen zwischen
100 und 200 °C erforderlich. Heißfolien-Prägungen stehen nicht erhaben, lassen sich aber mit einer Blind-Prägung kombinieren. Sie haften auf allen Bedruck-Stoffen problemlos – außer auf Polypropylen-Beschichtungen und UV-Lackierungen, bei denen die Heißfolien-Prägung
vor dieser Beschichtung erfolgen bzw. eine besonders sorgfältige Folienauswahl vorgenommen werden sollte. (Lothar Schweinbach: "Viel edler als Lackierung", in: "PRINT & PRODUKTION", Wiesbaden, Nr. 4/1998, S. 18.)
Zur Verfügung stehen glänzende oder matte Folien in Metallic-Farben (z.B. Gold, Silber), verschiedenen Farb-Pigmenten, Multicolor (z. B. "Rainbow"), Perlmutt, farblos sowie Diffraktions-Folien und Hologramm-Folien (endloser Streu-Druck oder angesteuertes Motiv). ("Voraussetzungen für hochwertige Prägungen", in: "PRINT & PRODUKTION", Wiesbaden, Nr. 6/1998, S. 39.)

Kalander-Lackierung
"Zum Erzielen höchster Glanzwerte können bedruckte Bogen mit kalandrierfähigen Lacken veredelt werden. Im Kalander wird anschließend unter Hitze und Druck eine hohe Oberflächen-Glätte erreicht. Die Eigenschaften des getrockneten Lackfilms sind stark vom Bedruckstoff und den eingesetzten Farben abhängig. Es sollte deshalb vor der Produktion ein Praxistest durchgeführt werden. Unterstützende Untersuchungen im Labor geben Hinweise darauf, welche Farben und Lacke verwendet werden können."
(Dr. Jörg Buchweitz: "Veredelung von Faltschachteln", in: "DruckfarbenEcho 6", München 1995, S. 30.)

Laminierung
Veredelung von Druckbogen durch den Überzug von Polyester-Folien (z.B. Speisekarten).

Nitro-Lackierung
"Die lackschichtbildende Substanz ist eine Kombination von Nitro-Zellulose (durch Nitrierung veränderte Baumwolle) und Harzen (z. B. Alkydharz auf Basis tierischer Fettsäuren). Die für die Verarbeitung dieser Substanzen notwendigen organischen Lösemittel werden in der Produktion gemäß den gesetzlichen Richtlinien thermisch verwertet oder zurückgenommen." Im Gegensatz zur Drucklackierung (Dispersions-, Öldruck- oder UV-Lackierung), die in-line in der Druckmaschine oder off-line erfolgen kann, wird die Nitro-Lackierung nur off-line von spezialisierten Betrieben der Druck-Veredelungs-Industrie durchgeführt.
(Arbeitsgemeinschaft Druckveredlung (AGV) in Zusammenarbeit mit der Umweltkommission (Herausgeber): "Zeitgemäß druckveredeln – ein Leitfaden"; Hamburg 1992, S. 8.)

Öldruck-Lackierung
Beim Öldruck-Lack handelt es sich um eine farblose, also pigmentfreie Offsetfarbe: "Druck-Lacke entsprechen in ihrer Formulierung praktisch dem Bindemittel-Aufbau konventioneller Bogen-Offset-Farben. Es fehlt lediglich das Pigment als farbgebender Stoff. Unterschiedlich ist allerdings die qualitative Auswahl der Rohstoffe, vor allem im Hinblick darauf, daß Druck-Lacke einen hochtransparenten Lackfilm möglichst ohne Eigenfärbung bilden sollen." Öldruck-Lacke trocknen in zwei Phasen: "Während der physikalische Prozess relativ schnell vollzogen wird, kann die "chemische Trocknung" oftmals sogar sechs bis zehn Stunden in Anspruch nehmen." Bei der Druckfolge Naß-in-Naß "erreichen Glanzlacke zwischen fünf und dreißig Minuten nach dem Druck nahezu ihren Endglanz. Anders sieht es bei Matt-Lacken aus. Innerhalb der ersten Stunde ist die Veränderung deutlich. Nach vier Stunden war" (bei Versuchen des Druck- und Technologiezentrums der BASF Drucksysteme GmbH) "jedoch erst der optimale Matteffekt erreicht. Lediglich beim Parallelversuch Mattlack auf Mattpapier verstärkte sich der Matteffekt auch noch nach vier Stunden. Eine gewisse Papierabhängigkeit ist also nicht auszuschließen." Auch hinsichtlich des Scheuerschutzes bei der Öldruck-Lackierung muß man beachten, "dass Trockenzeit und Papier maßgebliche Faktoren sind.
Die Bestnote Eins, aus der visuellen Bewertung des Scheuertests, wurde – auf Bilderdruck-Papier - nach zwölf Stunden Trocknungszeit erreicht. Drucke auf Mattpapier bleiben insgesamt empfindlicher gegen mechanische Belastungen. Sowohl glänzend als auch mattlackiert kann ihre Abriebfestigkeit geringer sein als bei Bilderdruck-Papieren."
(Ralph Gumbel: "Offset-Praxis beim Umgang mit Drucklacken", in: "Deutscher Drucker", Ostfildern, Nr. 20/1998, S. w 32 ff.)

Relief-Druck
"Der Reliefdruck entstand als günstigere, aber auch weniger hochwertige Alternative zum Stahlstichprägedruck. Eigentlich ist er ein erweitertes Flach-Druckverfahren, das sich auf Offset-Maschinen fertigen läßt. Nach dem normalen Druckgang stäubt man auf die noch frischen, nicht trockenen Farbschichten ein Kunststoffgranulat auf und saugt die überschüssigen Puderreste anschließend ab. Der auf den klebrigen Druckflächen haftende
Puder wird dann unter einer speziellen Infrarotheizeinheit zerschmolzen und verwandelt sich so in eine farblose* Transparent-Beschichtung, die einen erhabenen und fühlbaren Belag auf den gedruckten Flächen ergibt. Die Vorteile des Relief-Drucks zeigen sich bei hohen Auflagen, da man höhere Geschwindigkeiten fahren kann. Bei kleineren Auflagen ist der Druck zwar teuer, dafür entfällt die Gravurherstellung. Im Vergleich zum Stahlstichprägedruck muß man aber Zugeständnisse an Pigmentierung und Schärfe machen."
(Lothar Schweinbach: "Viel edler als Lackierung", in: "PRINT & PRODUKTION", Wiesbaden, Nr. 4/1998, S. 18. * Anmerkung der Redaktion: Farbige Puder ergeben naturgemäß entsprechende Farbtöne.)

Stahlstich-Prägedruck
Im allgemeinen Sprachgebrauch auch nur Stahlstich genannt: "Ein Tief-Druckverfahren, für das man eine Gravur benötigt. Während des eigentlichen Druckvorgangs färbt die Maschine die gesamte Gravur mit einer dickflüssigen und stark pigmentierten Farbe ein, so daß die erhabenen und vertieften Stellen mit Farbe bedeckt sind. Dann wird die Gravur abgewischt, damit die Farbe nur noch in den Vertiefungen verbleibt und der Bedruckstoff mit extrem hohen Druck in die Vertiefungen der Gravur gepreßt. Es folgt eine Infrarottrocknung, die auch den Lack-Farben ihren Glanz verleiht. Stahlstich-Prägedruck eignet sich insbesondere für Akzidenz-Drucksachen auf herkömmlichen Materialien mit naturbelassenen Papier- oder
Kartonoberflächen. Großflächige Motive können im Stahlstich-Prägedruck nur schwer erstellt werden. Hier wird auf Raster-Techniken oder die Kombination mit anderen Druck-Techniken zurückgegriffen. Die (in einem Durchgang) zu bedruckende Fläche ist im Stahlstichprägedruck begrenzt."
(Lothar Schweinbach: "Viel edler als Lackierung", in: "PRINT & PRODUKTION", Wiesbaden, Nr. 4/1998, S. 16 ff.)

UV-Lackierung
UV-Lacke haben einen Festkörperanteil von 100% (Acrylat Oligomere, Acrylat Prepolymere und Fotoinitiatoren) und "werden im eigentlichen Sinne nicht getrocknet, sondern unter Einwirkung energiereicher Strahlung gehärtet. Man spricht deshalb von Strahlungshärtung.
Die gesamte Lack-Masse wird dabei in Sekunden-Bruchteilen strahlungschemisch vernetzt. Der völlig vernetzte Lackfilm ist chemisch dem Plexiglas vergleichbar, er bringt einen hervorragenden Glanz und Scheuerschutz."(Ralph Gumbel: "Offset-Praxis beim Umgang mit Drucklacken (II)", in: "Deutscher Drucker", Ostfildern, Nr. 23-24/1998, S. w 54 ff.)
 




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