
Color-Management
Color-Management ist ein Werkzeug zur Farbanpassung unterschiedlicher Ein- und Ausgabegeräte mit dem Ziel einer vorlagenverbindlichen Farbreproduktion. Im Wesentlichen sind bei einem Arbeitsablauf vier Gerätefarbsysteme beteiligt: das Scanner RGB, das Monitor RGB, das Proofdrucker CMYK und das CMYK der Fortdruckmaschine. Alle Farben einer Bildvorlage sollen nach der Digitalisierung auf jedem Ausgabegerät gleich aussehen, d. h. dass sie auf dem Monitor, dem Proofdrucker und der Druckmaschine so aussehen wie das Original. Soll eine Reproduktion farblich verändert werden, dann sollen der Farbeindruck auf dem Monitor und der des Fortdruckes identisch sein. Des Weiteren soll auf dem Monitor oder Proofdrucker der spätere Farbeindruck des Fortdruckes simuliert werden können.
Welche Bestandteile werden für ein Color-Management-System benötigt?
_ ein Spektralphotometer und eine Software zur Erzeugung von Ein- und Ausgabeprofilen
_ Farbprofile, die die Wiedergabeeigenschaften eines Gerätes farbmetrisch beschreiben
_ ein Farbrechner, der die Umrechnung der Farbdaten von einem Farbraum in einen anderen übernimmt
_ eine Software, die die Funktion eines Color-Management-Modul auslösen kann (z. B. Adobe Photoshop)
Alle am Reproduktionsprozess beteiligten Ausgabegeräte werden linearisiert, kalibriert und profiliert. Ein Farbprofil ist die farbmetrische Beschreibung der geräteabhängigen Wiedergabeeigenschaften eines Gerätes in einem geräteunabhängigen Referenzfarbsystem (z. B. CIELab). Die Struktur dieses Profils ist vom International Color Consortium (ICC) festgelegt worden > ICC-Profil.
Die Farbtransformationseinheit oder -rechner (CMM = Color-Management-Modul) hat die Aufgabe, die Farbdaten einer Bilddatei anhand der ICC-Profile von einem Quellfarbraum in einen Zielfarbraum zu übertragen, wie z. B. Apple ColorSync.
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Die Farbraumtransformation
Der CMM verwendet standardmäßig den CIELab-Farbraum als Referenzfarbraum, auch Profil Connection Space (PCS) genannt. Dieser Farbraum ist dem sichtbaren Wellenlängenbereich des menschlichen Auges und dessen Empfindlichkeit angepasst. Die Farbräume CMYK und RGB sind Teilmengen des CIELab-Farbraumes. Der Umrechnungsalgorithmus kann durch einen Look-Up-Table (LUT) erfolgen.
Die vier Rendering Intents
Unterschiedliche Ein- und Ausgabemedien haben verschiedene Farbumfänge. Ein Scanner RGB hat z. B. einen deutlich höheren Farbumfang als das CYMK eines Proofdruckers. Bei der Farbraumtransformation muss entschieden werden, unter welchen Gesichtspunkten das Scanner RGB im Proofdrucker CMYK abgebildet werden soll. Des Weiteren muss entschieden werden, wie die eigentlich nicht mehr darstellbaren Farben des Scanner RGB so wenig sichtbar wie möglich durch das Proofdrucker CMYK ersetzt werden können:
_ wahrnehmungsorientiert (perceptual oder fotografisch) gibt das Bild auf dem Proofdrucker so wieder, dass es das Auge als möglichst originalgetreu empfindet.
_ absolut heißt, dass das Scanner RGB nach dem kleinsten DeltaE in das Proofdrucker CMYK überführt wird. Der Weißpunkt wird vom Scanner RGB übernommen, d. h. es kann ein Zeitungspapier auf einem Proofdrucker simuliert werden.
_ der relativ farbmetrische Rendering Intent überführt den Weißpunkt vom Scanner RGB ins Proofdrucker CMYK, d. h. das Papierweiß wird nicht simuliert.
_ bei der sättigungserhaltenden Farbanpassung (Saturation oder Sättigung) wird die Erhaltung einer möglichst hohen Farbsättigung anstelle einer genauen Farbreproduktion gewünscht.
Wie werden ICC-Profile erstellt?
Zur Erstellung von ICC-Profilen ist eine Profilierungs-Software, ein Spektralphotometer und eine Messvorlage notwendig.
_ Eingabegeräte wie Scanner und Digital-Kameras werden mit einem IT8-Testchart kalibriert. Zu dieser standardisiert hergestellten Dia- oder Aufsichtsvorlage gehört eine ausgemessene Referenzdatei. Das IT8-Testchart wird gescannt oder fotografiert und in einer definierten Auflösung abgespeichert. Die Profilerzeugungssoftware vergleicht dann die digitalisierte Datei mit der Referenzdatei und berechnet aus den Differenzen das Farbprofil.
_ Zur Kalibration von Monitoren wird das Spektralphotometer am Monitor befestigt. Mit Hilfe der Profilierungssoftware wird der Farbumfang des Monitors vermessen und in einem weiteren Profil gespeichert.
_ Für die Profilierung des Proofdruckers wird die IT8-Testchart Referenzdatei auf dem Proofdrucker ausgegeben. Dieser Ausdruck wird mit dem Spektralphotometer vermessen, von der Profilierungssoftware mit der Referenzdatei verglichen und die Differenzen in einem dritten Profil gespeichert.
_ Die Profilierung der Fortdruckmaschine erfolgt genau wie die des Proofdruckers. Hierbei ist zu beachten, dass der Zwischenschritt beim konventionellen Offsetdruck über die Druckplattenbelichtung ebenfalls kalibriert sein muss. Jede Fortdruckmaschine-Bedruckstoff-Kombination hat ihr eigenes Farbprofil, d. h. es muss für jede Fortdruckmaschine und jedes Papier ein eigenes Profil generiert werden (z. B. 2 Fortdruckmaschinen bedrucken je ein mattes und ein glänzendes Papier = vier Profile).
Der Ablauf des Color-Managements
_ Die Druckvorlagen werden digitalisiert und geräteunabhängig im CIELab-Farbraum mit dem Profil des Eingabegerätes abgespeichert.
_ Auswahl des richtigen Rendering Intents.
_ Wird die Datei mit einer Software, die ICC-Profile interpretieren kann (z. B. Photoshop oder QuarkXPress), aufgerufen, kommt die CMM zum Einsatz und überträgt die Daten vom Quellfarbraum in den Zielfarbraum: Scanner-RGB > CIELab > Monitor-RGB. Soll am Monitor der Farbraum der Fortdruckmaschine simuliert werden, wird dieses Profil ebenfalls verwendet: Scanner-RGB > CIELab > Monitor-RGB + Fortdruckmaschinen CMYK.
_ Die Datei wird korrigiert und auf dem Proofdrucker ausgegeben: Scanner-RGB > CIELab > Proofdrucker-CMYK. Soll auf dem Proof der Farbraum der Fortdruckmaschine simuliert werden, wird dieses Profil ebenfalls verwendet: Scanner-RGB > CIELab > Proofdrucker-CMYK + Fortdruckmaschinen CMYK.
_ Nach Druckfreigabe wird das Proofdrucker-CMYK durch das Fortdruckmaschinen-CMYK ersetzt: Scanner-RGB > CIELab > Fortdruckmaschinen-CMYK.
Wichtig bei der konsequenten Umsetzung von Color-Management ist, dass die standardisierten Verfahrensabläufe und -bedingungen konstant gehalten werden, z. B. die gleiche Umgebungsbeleuchtung der Bildschirmarbeitsplätze, Kontrolle der Druckplattenherstellung oder die Klimabedingungen im Drucksaal. Es müssen in regelmäßigen Abständen alle am Reproduktionsprozess beteiligten Ein- und Ausgabegeräte linearisiert, kalibriert und profiliert werden.
Maß für einen Farbunterschied, z.B. bezüglich der Wiedergabe eines Farbtons in Vorlage und Druck, in Proof und Druck oder in aufeinanderfolgenden Drucken. In der grafischen Industrie werden die 1976er CIE-Lab-Formel, das 2°-Gesichtsfeld und ein Tageslicht mit 5000 Kelvin zugrunde gelegt. Die Delta-E-Werte bedeuten 0 bis 0,2 nicht wahrnehmbar, 0,2 bis 0,5 sehr gering, 0,5 bis 1,5 gering, 1,5 bis 3,0 deutlich, 3,0 bis 6,0 mittel und über 6,0 stark. Allerdings ist zu beachten, daß die CIE-Lab-Delta-E-Formel gleich groß wahrgenommene Farbdifferenzen oft sehr unterschiedlich bewertet: „Große ΔE-Werte können in einem Farbbereich visuell weniger auffallen als kleine ΔE’s in einem anderen Bereich!“ (Dr. Ludwig Gall: Messen – Kontrollieren – Rezeptieren unter www.farbmetrik-gall.de.). Prof. Dr. Stefan Brües hält deshalb das veraltete Delta E heute einfach nicht mehr als State of the Art. (Kein Workflow ohne Color Management ?! in: Deutscher Drucker Nr. 2, 25.1.2006, S. 11). In der Druckpraxis löst man dieses Dilemma durch die sinnvolle Ergänzung von Meßtechnik und visueller Farbabstimmung. ->Farbunterschied.
| CIE-xy Y-System: CIE-Farbdreieck CIELab-Farbraum
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Die Abbildungen 1–4 weisen im Farbfeld B10 des Medienkeils, der repräsentativ für den Hautton stehen soll, messtechnisch den gleichen Farbabstand auf: Delta-E 3. Es ist zu erkennen, daß der Delta-E-Wert keine Aussage über die Richtung der Farbverschiebung geben kann. Des weiteren werden die Verschiebungen von Abb. 3 und 4 visuell als nicht gleichabständig zu Abb. 1 empfunden.
Zur Vergrößerung bitte auf die nebenstehenden Abbildungen klicken.
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